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Planetary Health Ernährung

18th März 2019

In seinem Blog erläutert der praktizierende Kräuterexperte Sebastian Pole, einer der beiden Mitbegründer von Pukka, seine Überlegungen zu einer neuen, „planetenfreundlichen” Ernährung. Wissenschaftler empfehlen sie als Lösung dafür, die Gesundheit unseren Planeten Erde und die seiner wachsenden Bevölkerung zu unterstützen.

Vor kurzem wurde ich auf Zeitungsartikel über die neue „planetenfreundliche Ernährung” aufmerksam, die als Reaktion auf den Bericht der EAT-Lancet-Commission zu gesunden Ernährungsformen aus nachhaltigen Nahrungsmittelsystemen erschienen.

Als praktizierender Kräuterexperte begrüße ich diese aktuelle und in weiten Kreisen stattfindende Neubewertung unserer Nahrungskultur und deren Auswirkungen auf die Umwelt. Was es für eine wirklich funktionierende, nachhaltige und nährende Ernährung jedoch wirklich braucht, ist jedoch mehr, als nur mehr Gemüse und weniger Fleisch zu essen.

Der Bericht spricht sich für eine weltweite „planetenfreundliche” Ernährung aus, die auf den Verzehr von mehr gesunden Nahrungsmitteln (Pflanzen, Nüsse, Getreide) und weniger ungesunden (rotes Fleisch, Zucker) baut, um die Gesundheit zu verbessern. Gleichzeitig definiert er nachhaltige Nahrungsmittelsysteme, die unserem Planeten möglichst wenig schaden.

Ich stimme Tim Lang zu, Professor für Food Policy an der University of London und Mitglied der Kommission. Er sagt: „Die Nahrung, die wir essen, und die Art und Weise, wie wir sie produzieren, bestimmen die Gesundheit der Menschen und des Planeten. Derzeit machen wir beides komplett falsch.”

Ich war schon immer davon überzeugt, dass unsere Gesundheit und die unseres Planeten Erde untrennbar miteinander verbunden sind. Unsere Nahrung ist das Herzstück der Art und Weise, wie wir mit uns selbst und mit der Natur in Beziehung treten. Doch scheinen wir ein kollektives, gesellschaftliches „Problem“ mit zwei wichtigen Aspekten unserer Ernährung zu haben: Was wir essen und wie wir unser Essen erzeugen.

Um zu verstehen, warum wir das essen, was wir essen, ist es wichtig, sich auch anzusehen, wie wir essen. Abgesehen davon, dass es uns die benötigten Nährstoffe liefert, ist der Akt des Essens auch eine einfache Methode, sich emotional „gefüllt“, „geborgen“ oder sogar „geliebt“ zu fühlen.

Wenn eine dieser Komponenten in unserem Leben fehlt, greifen wir zu Nahrung, um uns zu helfen. Ich weiß, dass ich das tue. Das ist so lange in Ordnung, solange wir überwiegend eine gesunde Einstellung zu gesundem Essen haben.

Man muss sich nur unsere Abhängigkeit von der Medizin ansehen, um zu erkennen, dass wir die Verbindung zwischen uns und unserem Wohlbefinden verloren haben. Wir könnten es täglich mit der richtigen Ernährung und anderen vorbeugenden Maßnahmen wie Achtsamkeit stärken, oder einfach, indem wir in der Natur spazieren gehen.

Was wir essen

Wenn wir uns ansehen, was wir essen, ergibt sich ein Problem. In der westlichen Welt haben wir zu viele qualitativ schlechte Nahrungsmittel, die zu einem Mikronährstoffmangel führen. Ein solcher Mangel ist definiert als das Fehlen essenzieller Vitamine und Mineralstoffe, die für die optimale Gesundheit nötig sind. Dazu gehören u. a. Nährstoffe wie Vitamin A und C, Selen und Eisen. Bei manchen dieser Substanzen sind die Verzehrmengen seit den 1960er-Jahren um 50 Prozent gesunken.

Die Folgen davon können Übergewicht und Mangelernährung sein – eine Studie zeigte, dass 40 Prozent der Bevölkerung an einer „Typ-B-Mangelernährung“ leiden (Das heißt, man isst ausreichend Makronährstoffe, aber nicht genug Mikronährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe).

Um sicherzustellen, dass wir unsere Nährstoff- und Gesundheitsbedürfnisse erfüllen, muss unsere Nahrung vielfältiger werden. Sie sollte auch die besten Wurzeln, Früchte, Sprossen, Saaten, Getreidearten, Kräuter, Gemüsesorten und noch vieles mehr beinhalten, dass die Natur uns für unsere Gesundheit schenkt.

Solche Nahrungsmittel, die im Boden wachsen, bringen mehr, als unserer Verbindung zum Körper zu stärken. Ihr Nutzen greift viel tiefer. Der Fakt, dass wir vom Boden abhängig sind, um sie für uns zu erzeugen, animiert uns dazu, ihn mehr wertzuschätzen und damit auch unseren Planeten, der uns mit Ehrfurcht füllt. Er liefert uns diese stärkende Nahrung und inspiriert uns dazu, darüber nachzudenken, wie viel wir von ihm nehmen, ohne uns zu revanchieren.

Wie wir anbauen

Traditionell (und weltweit) stimmen Bauern, Farmer und Anbauer darin überein, dass man dem Boden nach der Ernte organische Stoffe zuführen muss, um gesunde Pflanzen zu erhalten
Wenn diese Nährstoffe in künstlicher Form aufgebracht werden (z. B. Stickstoff), wie es beim nichtbiologischen Anbau der Fall ist, sickern sie durch die Erde hindurch. Sie verschmutzen Wasserwege und verflüchtigen sich in Luft, wo sie Feinstaub erzeugen und zur Luftverschmutzung beitragen.

Der Sustainable Food Trust errechnete, dass pro englischem Pfund (ca. 1,16 Euro), das in Großbritannien für Lebensmittel ausgegeben wird, der Gesellschaft zusätzliche Krankenkosten in Höhe von 50 Pence (58 Eurocent) entstehen (vor allem durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Antibiotikaresistenz und Darmkrebs) (1).

Wegen unserer Monokulturen, bei denen immer dieselben Arten in denselben Feldern wachsen, ist das Nährstoffgleichgewicht in den letzten 50 Jahren aus der Balance geraten. Dieser Nährstoffmangel bei den Pflanzen führt dazu, dass unsere Nahrung ebenfalls kein Nährstoffgleichgewicht mehr hat (2). Das Ergebnis sind wachsende Gesundheits- und Umweltschäden.

Das Ziel, günstiges, nährstoffreiches und nachhaltiges Essen durch den Einsatz von weiterhin großen Mengen an Stickstoff und Bioziden erzeugen zu wollen, scheint auf vielfache Weise widersprüchlich. Vergleicht man die Bio-Landwirtschaft mit dem modernen Landbau, drängt sich fast das Bild zweier wettstreitender Athleten auf: Wenn einer davon Steroide nimmt, hat er einen kurzfristigen Vorteil, kann aber langfristig Gesundheitsprobleme erleiden.

Der Einsatz von Stickstoff ist diese Droge – die dazu noch weitere Drogen benötigt, um zu funktionieren (Herbizide und Pestizide). Die Bio-Landwirtschaft arbeitet regenerativ. Diese Anbaumethode kann und sollte eine viel größere Rolle bei der Transformation zu einer gesünderen Umwelt und Gesellschaft spielen.

Ich hatte das Glück, ein visions- und missionsgeführtes Unternehmen mitzugründen, das Pflanzen in den Mittelpunkt stellt. Daher freut es mich festzustellen, dass sich zunehmend die Auffassung durchsetzt, der ökologische Landbau könne sehr wohl die Welt ernähren und gleichzeitig Sorge für den Planeten tragen.

Jetzt muss die Regierung proaktiv Maßnahmen zur Unterstützung des gesunden Landbaus einleiten. Unternehmen müssen verantwortlich handeln und tatsächlich gesundes Essen herstellen. Und wir, als umsichtige Bürger, müssen unsere schwerverdienten Einnahmen für nachhaltig erzeugte Bio-Nahrungsmittel ausgeben, die gut für uns und das Ökosystem sind.

Lasst uns die Parole der Soil Association unterstützen: „Dieser wichtige Bericht muss sofort in die Regierungspolitik Eingang finden. Unter anderem müssen im Entwurf des Landwirtschaftsgesetzes die öffentliche Gesundheit und Agrarökologie als spezifische Ziele ergänzt werden. Dazu muss sichergestellt werden, dass die Landwirte angemessen unterstützt werden, um die notwendige Umstellung durchführen zu können.“

Referenzen:

  1. https://sustainablefoodtrust.org/articles/hidden-cost-uk-food/
  2. https://rodaleinstitute.org/wp-content/uploads/fst-30-year-report.pdf

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